Mittwoch, 5. März 2014

Etappen 3, 4 und 5: Ifakara - Hanga - Dar - Nairobi


Am Sonntag machte ich mich also früh morgens auf den Weg. Von Ifakara ging es nun erstmal zurück zur Hauptstraße nach Mikumi. Dort stieg ich am Busbahnhof in einen anderen Bus ein, der von Dar über Mikumi bis nach Songea fährt. Die etwa zweieinhalb Stunden, die ich noch auf den Bus warten musste, waren wie Kino. Man sitzt da, es gibt Knabbereien zu kaufen und Eis, um einen herum passierten tausend Dinge. Die Verkäufer, die wild losliefen, sobald sich ein Bus näherte, die Zubereitung diverser Speisen auf Grills und offenem Feuer, die Ticketverkäufer, die versuchten, möglichst viele Kunden zu gewinnen indem sie Reisetaschen schnappten und schnell zu ihrem Stand trugen, die anderen Reisenden mit verschiedensten Zielen… Und dann rollte auch schon mein Bus ein. Firma „Superfeo“ , was auf Spanisch witzigerweise „superhässlich“ heißt. Es war aber der beste Bus, den ich bisher hatte. So fuhren und fuhren wir (von Mikumi nach Songea sind es noch ungefähr 650km) und irgendwann wurde es mal dunkel (so gegen 19h) und dann stoppte schließlich auch noch der Bus und ich erfuhr, dass die Straße nicht mehr befahrbar ist und wir nun eventuell hier übernachten müssten. Ok… Nach einer guten Stunde ging es dann doch noch weiter und wir kamen tatsächlich gegen 23h noch in Songea an.

Dort wurde ich glücklicherweise von Bertha, die als Krankenschwester in Hanga arbeitet, noch abgeholt und wir fuhren mit dem Auto nach Hanga, was etwa eine Stunde dauert. Der Ort Hanga ist relativ klein, besteht aus der Benediktinerabtei, deren Gesundheitszentrum wir unterstützen, mehreren Schulen und den dazugehörigen Bananenplantagen und Farmen, sowie einigen Wohnhäusern. Bertha, die die Apotheke des Zentrums leitet, gab mir am ersten Tag eine kleine Dorfführung. Unter anderem wurde ich auch in einige Schulklassen geführt und es durften Fragen gestellt werden. Bei der Frage nach meinem Beruf, sorgte ich mit „Apotheker“ leider selbst bei den älteren Schülern nur für betretenes Schweigen. Eine „Person, die mit Medikamenten handelt“ brachte dann ein wenig Licht ins Dunkel. Der Beruf ist leider alles andere als popular.

Hanga besitzt seit letztem Jahr den Status als Gesundheitszentrum, was die zweite Versorgungsstufe im tansanischen Gesundheitssystem ist. Stufe 1 sind sogenannte Dispensaries, Stufe 3 Distriktkrankenhäuser, Stufe 4 regionale Krankenhäuser und Stufe 5 überregionale Krankenhäuser. Die Bettenanzahl steigt mit der jeweiligen Stufe an, ebenso die Anzahl an Fachpersonal und das Angebot an medizinischen Versorgungsmöglichkeiten.

Hanga hat zurzeit 22 Betten. Einen ausgebildeten Arzt gibt es im Moment noch nicht, nur einen Clinical Officer. Dieser hat eine dreijährige Ausbildung und übernimmt aufgrund des Fachkräftemangels besonders in ländlichen Gegenden die Aufgaben eines Arztes. Bestimmte Eingriffe und Untersuchungen können sie durchführen. Für kompliziertere Fälle werden Patienten dann an die nächsthöhere Stufe bzw. das nächste Krankenhaus mit entsprechendem Personal verwiesen. Dies kann allerdings bei den weiten Wegen, schlechten Straßen und fehlendem Personal auch zum Verhängnis werden.

Im nächsten Monat sollen in Hanga ein AMO, ein Assistant Medical Doctor (der nach der Ausbildung zum Clinical Officer noch zwei weitere Jahre absolviert) sowie ein Anästhesist ihre Arbeit aufnehmen.  Das Gesundheitszentrum hat nun einen Operationssaal und baut an einem neuen Gebäude, in dem eine eigene chirurgische Station entsteht. Patienten kommen aus Dörfern im Umkreis von etwa 50km nach Hanga. Die Aufwertung zum Gesundheitszentrum und damit mehr Behandlungsmöglichkeiten wird für viele eine Rettung sein, da ihnen der lange und eben beschwerliche Weg ins nächstgrößere Krankenhaus in Songea erspart bleibt. Im Moment, zu Beginn der Regenzeit, sind es vor allem Malariapatienten, die stationär aufgenommen werden. Viele Patienten kommen auch nur für Untersuchungen und gehen dann mit den ihnen verschriebenen Medikamenten wieder nach Hause. Für einige ist Hanga die einzige Möglichkeit an Medikamente zu kommen, da im Notfall auch ohne Bezahlung abgegeben wird und dies von der Benediktinerabtei getragen wird. Zudem wissen die Leute, dass sie hier ihre Medikamente bekommen und diese aus zuverlässiger Quelle stammen und nicht, wie vielleicht in den „Duka la Dawa“ (den Medikamentenshops) von ominösen Händlern.

Das Lager in Hanga ist klein und gut organisiert. Es gibt Bin cards für Arzneimittel und Zubehör, wo alle Warenbewegungen dokumentiert werden. Jeden Monat wird eine Inventur durchgeführt und das Ergebnis festgehalten. Alle drei Monate gibt Bertha eine Bestellung bei action medeor in Dar-es-salaam auf. Dies wird von AoG finanziell unterstützt. Die Bestellungen werden anhand der monatlichen Verbräuche erstellt, ebenso werden saisonale Schwankungen mitberücksichtigt. Bertha und ich gingen alle Prozesse einmal durch, vom Wareneingang, den Bewegungen zwischen den Lagern (auch hier gibt es aus Transparenzgründen ein Hauptlager und ein weiteres Lager in der Apotheke) bis hin zur Abgabe an den Patienten.  So konnte ich mir einen guten Überblick über die Arbeit verschaffen und gemeinsam mit Bertha an Verbesserungsmöglichkeiten arbeiten. Die drei Tage, die ich dort verbrachte gingen schnell um, aber wir haben viel geschafft. Die Erweiterung zum Gesundheitszentrum wird auch einige Neuerungen für die Apotheke mit sich bringen, woran wir in Zukunft besonders arbeiten werden.

So hieß es wieder einmal Abschied nehmen, dieses Mal von den Brüdern und Schwestern der Benediktinerabtei, die mich so freundlich aufgenommen und versorgt haben. Und wieder einmal stellte ich mich auf eine lange Reise ein: knapp 1000km sind es zurück nach Dar. Die Fahrt dauerte 17 Stunden (ich gehe nicht weiter auf die Einzelheiten ein). So war mein Rückflug nach Nairobi am nächsten Morgen eine reine Wohltat: eine Stunde Flugzeit und schon war ich da. Allerdings auch reichlich unspektakulär im Vergleich zur Busfahrt…
Hanga

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