Am Sonntag machte ich mich also früh morgens auf den Weg.
Von Ifakara ging es nun erstmal zurück zur Hauptstraße nach Mikumi. Dort stieg
ich am Busbahnhof in einen anderen Bus ein, der von Dar über Mikumi bis nach
Songea fährt. Die etwa zweieinhalb Stunden, die ich noch auf den Bus warten musste,
waren wie Kino. Man sitzt da, es gibt Knabbereien zu kaufen und Eis, um
einen herum passierten tausend Dinge. Die Verkäufer, die wild losliefen,
sobald sich ein Bus näherte, die Zubereitung diverser Speisen auf Grills und offenem Feuer, die
Ticketverkäufer, die versuchten, möglichst viele Kunden zu gewinnen indem sie Reisetaschen schnappten und schnell zu ihrem Stand trugen, die
anderen Reisenden mit verschiedensten Zielen… Und dann rollte auch schon mein Bus ein. Firma „Superfeo“ ,
was auf Spanisch witzigerweise „superhässlich“ heißt. Es war aber der beste
Bus, den ich bisher hatte. So fuhren und fuhren wir (von Mikumi nach Songea
sind es noch ungefähr 650km) und irgendwann wurde es mal dunkel (so gegen 19h) und dann
stoppte schließlich auch noch der Bus und ich erfuhr, dass die Straße nicht
mehr befahrbar ist und wir nun eventuell hier übernachten müssten. Ok… Nach
einer guten Stunde ging es dann doch noch weiter und wir kamen tatsächlich
gegen 23h noch in Songea an.
Dort wurde ich glücklicherweise von Bertha, die als
Krankenschwester in Hanga arbeitet, noch abgeholt und wir fuhren mit dem Auto
nach Hanga, was etwa eine Stunde dauert. Der Ort Hanga ist relativ klein, besteht
aus der Benediktinerabtei, deren Gesundheitszentrum wir unterstützen, mehreren
Schulen und den dazugehörigen Bananenplantagen und Farmen, sowie einigen Wohnhäusern. Bertha, die die Apotheke des Zentrums
leitet, gab mir am ersten Tag eine kleine Dorfführung. Unter anderem wurde ich
auch in einige Schulklassen geführt und es durften Fragen gestellt werden. Bei
der Frage nach meinem Beruf, sorgte ich mit „Apotheker“ leider selbst bei den älteren Schülern nur für
betretenes Schweigen. Eine „Person, die mit Medikamenten handelt“ brachte dann
ein wenig Licht ins Dunkel. Der Beruf ist leider alles andere als popular.
Hanga besitzt seit letztem Jahr den Status als
Gesundheitszentrum, was die zweite Versorgungsstufe im tansanischen Gesundheitssystem
ist. Stufe 1 sind sogenannte Dispensaries, Stufe 3 Distriktkrankenhäuser, Stufe
4 regionale Krankenhäuser und Stufe 5 überregionale Krankenhäuser. Die
Bettenanzahl steigt mit der jeweiligen Stufe an, ebenso die Anzahl an
Fachpersonal und das Angebot an medizinischen Versorgungsmöglichkeiten.
Hanga hat zurzeit 22 Betten. Einen ausgebildeten Arzt gibt
es im Moment noch nicht, nur einen Clinical Officer. Dieser hat eine dreijährige
Ausbildung und übernimmt aufgrund des Fachkräftemangels besonders in ländlichen Gegenden die Aufgaben eines
Arztes. Bestimmte Eingriffe und Untersuchungen können sie durchführen. Für
kompliziertere Fälle werden Patienten dann an die nächsthöhere Stufe bzw. das
nächste Krankenhaus mit entsprechendem Personal verwiesen. Dies kann allerdings bei
den weiten Wegen, schlechten Straßen und fehlendem Personal auch zum Verhängnis werden.
Im nächsten Monat sollen in Hanga ein AMO, ein Assistant
Medical Doctor (der nach der Ausbildung zum Clinical Officer noch zwei weitere Jahre absolviert) sowie ein Anästhesist ihre Arbeit aufnehmen. Das Gesundheitszentrum hat nun einen
Operationssaal und baut an einem neuen Gebäude, in dem eine eigene
chirurgische Station entsteht. Patienten kommen aus Dörfern im Umkreis von etwa
50km nach Hanga. Die Aufwertung zum Gesundheitszentrum und damit mehr
Behandlungsmöglichkeiten wird für viele eine Rettung sein, da ihnen der lange
und eben beschwerliche Weg ins nächstgrößere Krankenhaus in Songea erspart
bleibt. Im Moment, zu Beginn der Regenzeit, sind es vor allem Malariapatienten,
die stationär aufgenommen werden. Viele Patienten kommen auch nur für Untersuchungen und
gehen dann mit den ihnen verschriebenen Medikamenten wieder nach Hause. Für
einige ist Hanga die einzige Möglichkeit an Medikamente zu kommen, da im
Notfall auch ohne Bezahlung abgegeben wird und dies von der Benediktinerabtei
getragen wird. Zudem wissen die Leute, dass sie hier ihre Medikamente bekommen und
diese aus zuverlässiger Quelle stammen und nicht, wie vielleicht in den „Duka
la Dawa“ (den Medikamentenshops) von ominösen Händlern.
Das
Lager in Hanga ist klein und gut organisiert. Es gibt Bin cards für
Arzneimittel und Zubehör, wo alle Warenbewegungen dokumentiert werden. Jeden
Monat wird eine Inventur durchgeführt und das Ergebnis festgehalten. Alle drei Monate gibt Bertha eine Bestellung bei action medeor in Dar-es-salaam auf. Dies wird von AoG finanziell unterstützt. Die
Bestellungen werden anhand der monatlichen Verbräuche erstellt, ebenso werden saisonale Schwankungen mitberücksichtigt. Bertha und ich gingen alle Prozesse einmal durch, vom
Wareneingang, den Bewegungen zwischen den Lagern (auch hier gibt es aus
Transparenzgründen ein Hauptlager und ein weiteres Lager in der Apotheke) bis
hin zur Abgabe an den Patienten. So
konnte ich mir einen guten Überblick über die Arbeit verschaffen und gemeinsam
mit Bertha an Verbesserungsmöglichkeiten arbeiten. Die drei Tage, die ich dort
verbrachte gingen schnell um, aber wir haben viel
geschafft. Die Erweiterung zum Gesundheitszentrum wird auch einige Neuerungen für die Apotheke mit sich bringen, woran wir in Zukunft besonders arbeiten
werden.
So hieß es wieder einmal Abschied nehmen, dieses Mal von den
Brüdern und Schwestern der Benediktinerabtei, die mich so freundlich
aufgenommen und versorgt haben. Und wieder einmal stellte ich mich auf eine
lange Reise ein: knapp 1000km sind es zurück nach Dar. Die Fahrt dauerte 17
Stunden (ich gehe nicht weiter auf die Einzelheiten ein). So war mein Rückflug
nach Nairobi am nächsten Morgen eine reine Wohltat: eine Stunde Flugzeit und schon war ich da.
Allerdings auch reichlich unspektakulär im Vergleich zur Busfahrt…
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