… so ging die erste Woche hier herum: Besuche beim
Gesundheitsministerium, Termine bei der staatlichen Agentur für
Arzneimittelversorgung, Treffen mit unseren beiden Hauptlieferanten und was
sonst noch so anfällt an Besprechungen zwischendurch zur Software, zu den
geplanten Reisen zu den nächsten Schritten im Projekt. Die Tage waren gut
gefüllt, wozu auch der immer wieder unberechenbare Verkehr in Nairobi seinen
Teil beiträgt. So verbringt man schon mal eine Dreiviertelstunde im Stau für
eine Strecke, die man in 15 Minuten auch gemütlich laufen könnte.
Zwischen all den Meetings hatte ich auch die Gelegenheit mir
das gerade stattfindende „VVF Camp“ im Kenyatta Hospital anzusehen. Es gehört
ebenfalls zum Outreach Programm und bietet Frauen aus dem ganzen Land die
Möglichkeit, sich kostenlos operieren zu lassen. Vesiculo-vaginale Fisteln
(VVF) und auch rektal-vaginale Fisteln (RVF) sind in Kenia leider immer noch
sehr häufig und bedeuten für die Frauen oft eine Ausgrenzung aus Gesellschaft
oder sogar aus ihrer Familie. Viele ertragen ihr Schicksal jahrelang, werden
von ihren Männern und auch Familien
verstoßen und versuchen ihr Stigma so gut es geht zu verstecken. Teilweise
wissen sie nicht, dass ihr Problem mit einer Operation behoben werden kann. So
wurde das Camp landesweit über Radio angekündigt, um möglichst viele Frauen zu
erreichen. In zwei Wochen wurden gut 100 Patientinnen operiert, weitere stehen
auf der Warteliste und werden in den nächsten Wochen einbestellt. Ein Besuch auf
der Station zur Nachsorge bietet ein gewöhnungsbedürftiges Bild: teilweise
liegen zwei Frauen in einem Bett und auf dem Boden sind Matratzen ausgebreitet.
Der Platz reicht sonst eben nicht für alle aus. Teilhaben durfte ich dann auch
an einer Operation, um mit eigenen Augen zu sehen, wie die von AoG gekauften
Instrumente und Nahtmaterialien eingesetzt werden. So eine Gelegenheit hat man
ja nicht alle Tage.
| auf Station |
| in OP Kleidung |
| im OP |
Bei meinen Besuchen im Ministerium wurde ich auf Schilder
mit der Aufschrift: „Corruption Free Zone“ aufmerksam. Schade, dass gleich am
nächsten Tag die ernüchternde Schlagzeile in den Zeitungen stand: Kenia ist
laut einer neuen Studie von Transparency International das viertkorrupteste
Land der Welt (nach Sierra Leone, Liberia und dem Jemen). Schon erschreckend.
Die Kenianer nehmen es mit Humor. Im Radio hieß es, dass sogar Männer ihre
Frauen bestechen damit sie bei ihnen bleiben. Wenn das nicht bedenklich ist…
Außerdem war diese Woche am Dienstag auch noch Beginn des Ramadans. Tagsüber bekomme ich wenig davon mit. Da ich aber direkt neben einer Moschee wohne, beobachte ich am späten Nachmittag die Vorbereitungen zum Fastenbrechen und lausche bis spät den abendlichen Gebeten.
Nächste Woche geht es nun für fünf Tage mit dem Outreach nach Tansania. Das AMREF Flugzeug setzt uns am Montag ab und sammelt uns am Freitag wieder ein. Genügend Zeit also, sich ein Bild von den Outreach Kliniken in der Umgebung von Turiani zu machen.
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