Samstag, 20. Juli 2013

Outreach in Tansania

Nach einer Woche in der Großstadt ging es am Montagmorgen mit den AMREF Ärzten in Tansanias Hinterland. Wir trafen uns um 7 Uhr am Wilson Airport in Nairobi. Der Check-In war schnell erledigt, nur leider waren die Beamten der Passkontrolle nirgendswo aufzufinden, wodurch sich unser Abflug etwas verzögerte. Die AMREF Maschine war schon am Vortag mit den Medikamenten und Materialien für die Ärzte beladen worden. Wir stiegen ein, der Propeller fing an sich zu drehen und schon waren wir in der Luft. Ein ganz anderes Flugerlebnis, direkt hinter dem Piloten zu sitzen und freie Sicht in alle Richtungen zu haben. Die ersten Minuten flogen wir so niedrig, dass ich noch gut die Tiere im Nairobi National Park beobachten konnte. Weiter ging es gen Süden  Richtung tansanische Grenze. Nicht weit vom Kilimanjaro überquerten wir sie und landeten kurz darauf in Moshi zwischen, um weitere Ärzte (Gynäkologen und Urologen standen dieses Mal auf dem Programm) einzusammeln. Von Moshi ging es weiter Richtung Landesmitte. Nach einer guten Stunde näherten uns den Bergen und trudelten dann unter leichten Turbulenzen auf der Landebahn (oder auch Buckelpiste) in Berega ein, wo die ersten Ärzte wieder ausstiegen. Zwanzig Minuten später erreichten wir dann unseren Zielort Turiani. Zur groben Orientierung: irgendwo zwischen Dodoma und Daressalaam. Das Turiani Hospital ist ein sogenanntes „missionary hospital“ und gehört der katholischen Kirche. Es hat 180 Betten, zwei OPs, medizinische und chirurgische Stationen, jeweils nach Männern, Frauen und Kindern getrennt sowie eine Geburtsstation. Im Mittelpunkt unseres Interesses stand allerdings die Apotheke. Nach Unterbringung im Gästehaus der Klinik, einem afrikanischen Tee und der Kliniktour trafen wir Schwester Innosentia, eine PTA und unsere Ansprechpartnerin. Apotheker gibt es keine. Sie führte uns durch das gut organisierte und klimatisierte Lager und beantwortete anschließend geduldig die von uns gestellten Fragen zu Lagerhaltung, Bestellwesen und Schulungsbedarf des Personals. Computer sind zwar vorhanden, Computerkenntnisse aber eher rudimentär. Bestände werden wie auch bisher bei AMREF über Bin Cards manuell geführt und Bestellungen anhand dieser quartalsweise getätigt. Kirchlich Krankenhäuser können, sofern das nötige Geld vorhanden ist, auch noch andere Lieferanten als die staatliche Agentur nutzen, die meist zuverlässiger in ihren Lieferungen sind.

Um einen Vergleich zu einem staatlichen Krankenhaus zu haben fuhren wir am nächsten Tag ins zwei Stunden entfernte, idyllisch am Fuß der Berge gelegene,  Morogoro und besuchten das dortige „Regional Referral Hospital“ mit 350 Betten. Wie mir schon von mehreren Leuten zugetragen wurde, sind die staatlichen Kliniken in Tansania häufig schlechter organisiert als die kirchlichen. Morogoro arbeitet ganz ohne Computer und kämpft in der Apotheke gegen ständige Lieferengpässe der staatlichen Versorgungsagentur MSD (Medical Supplies Department). Es gibt hier sogar zwei Apotheker, der Fachkräftemangel im Land ist allerdings enorm. Neben mangelndem Nachwuchs generell wollen die meisten fertig Studierten lieber ihren eigenen kleinen „Laden“ aufmachen und Medikamente verkaufen, statt einen schlecht bezahlten Job im Krankenhaus, sei es staatlich, kirchlich oder privat (aufgrund unendlicher Arbeitszeiten am unbeliebtesten) anzunehmen.

Weitere Informationen und Eindrücke bekamen wir dann auch noch in Berega, einem missionary hospital der anglikanischen Kirche, das ebenfalls Teil des AMREF Outreach Programmes ist. Mit 120 Betten etwas kleiner, dafür mit eigener Krankenpflegeschule (eine Klasse mit 17 Schülerinnen und Schülern befindet sich zurzeit in der Ausbildung), einem angeschlossenen Camp für Familienangehörige der Patienten und einer „Infusion Unit“, wo demnächst wieder eigene Infusionen hergestellt werden sollen. Dies ist kostengünstiger und vermeidet den schwierigen Transport in entlegene Gebiete. Die Apotheke war zwar groß, das Lager ziemlich chaotisch, die Dokumentation dafür aber wieder ziemlich gen und der zuständige Pharmacy Assistant auf jeden Fall ziemlich bemüht. Es gibt viel Arbeit in den Outreach Kliniken und viele Unterschiede zwischen Kenia und Tansania sowie auch zwischen kirchlichen und staatlichen Einrichtungen.

So ging die Woche mit vielen neuen Informationen und Eindrücken wahnsinnig schnell um. Schon standen wir wieder auf dem Feld und warteten auf unseren Flieger. Und nach einem Wochenende in Nairobi geht es am Montag direkt weiter zum nächsten Outreach an Kenias  Küste, um weitere Kliniken zu besichtigen.
Outreach in Tansania

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