Nach einer Woche in der Großstadt ging es am Montagmorgen
mit den AMREF Ärzten in Tansanias Hinterland. Wir trafen uns um 7 Uhr am Wilson
Airport in Nairobi. Der Check-In war schnell erledigt, nur leider waren die
Beamten der Passkontrolle nirgendswo aufzufinden, wodurch sich unser Abflug etwas
verzögerte. Die AMREF Maschine war schon am Vortag mit den Medikamenten und Materialien
für die Ärzte beladen worden. Wir stiegen ein, der Propeller fing an sich zu
drehen und schon waren wir in der Luft. Ein ganz anderes Flugerlebnis, direkt
hinter dem Piloten zu sitzen und freie Sicht in alle Richtungen zu haben. Die
ersten Minuten flogen wir so niedrig, dass ich noch gut die Tiere im Nairobi
National Park beobachten konnte. Weiter ging es gen Süden Richtung tansanische Grenze. Nicht weit vom Kilimanjaro
überquerten wir sie und landeten kurz darauf in Moshi zwischen, um weitere
Ärzte (Gynäkologen und Urologen standen dieses Mal auf dem Programm) einzusammeln.
Von Moshi ging es weiter Richtung Landesmitte. Nach einer guten Stunde näherten
uns den Bergen und trudelten dann unter leichten Turbulenzen auf der Landebahn
(oder auch Buckelpiste) in Berega ein, wo die ersten Ärzte wieder ausstiegen.
Zwanzig Minuten später erreichten wir dann unseren Zielort Turiani. Zur groben
Orientierung: irgendwo zwischen Dodoma und Daressalaam. Das Turiani Hospital
ist ein sogenanntes „missionary hospital“ und gehört der katholischen Kirche.
Es hat 180 Betten, zwei OPs, medizinische und chirurgische Stationen, jeweils
nach Männern, Frauen und Kindern getrennt sowie eine Geburtsstation. Im
Mittelpunkt unseres Interesses stand allerdings die Apotheke. Nach
Unterbringung im Gästehaus der Klinik, einem afrikanischen Tee und der
Kliniktour trafen wir Schwester Innosentia, eine PTA und unsere
Ansprechpartnerin. Apotheker gibt es keine. Sie führte uns durch das gut
organisierte und klimatisierte Lager und beantwortete anschließend geduldig die
von uns gestellten Fragen zu Lagerhaltung, Bestellwesen und Schulungsbedarf des
Personals. Computer sind zwar vorhanden, Computerkenntnisse aber eher
rudimentär. Bestände werden wie auch bisher bei AMREF über Bin Cards manuell
geführt und Bestellungen anhand dieser quartalsweise getätigt. Kirchlich
Krankenhäuser können, sofern das nötige Geld vorhanden ist, auch noch andere
Lieferanten als die staatliche Agentur nutzen, die meist zuverlässiger in ihren
Lieferungen sind.
Um einen Vergleich zu einem staatlichen Krankenhaus zu haben
fuhren wir am nächsten Tag ins zwei Stunden entfernte, idyllisch am Fuß der
Berge gelegene, Morogoro und besuchten
das dortige „Regional Referral Hospital“ mit 350 Betten. Wie mir schon von
mehreren Leuten zugetragen wurde, sind die staatlichen Kliniken in Tansania
häufig schlechter organisiert als die kirchlichen. Morogoro arbeitet ganz ohne
Computer und kämpft in der Apotheke gegen ständige Lieferengpässe der staatlichen
Versorgungsagentur MSD (Medical Supplies Department). Es gibt hier sogar zwei
Apotheker, der Fachkräftemangel im Land ist allerdings enorm. Neben mangelndem
Nachwuchs generell wollen die meisten fertig Studierten lieber ihren eigenen
kleinen „Laden“ aufmachen und Medikamente verkaufen, statt einen schlecht
bezahlten Job im Krankenhaus, sei es staatlich, kirchlich oder privat (aufgrund
unendlicher Arbeitszeiten am unbeliebtesten) anzunehmen.
Weitere Informationen und Eindrücke bekamen wir dann auch
noch in Berega, einem missionary hospital der anglikanischen Kirche, das
ebenfalls Teil des AMREF Outreach Programmes ist. Mit 120 Betten etwas kleiner,
dafür mit eigener Krankenpflegeschule (eine Klasse mit 17 Schülerinnen und Schülern
befindet sich zurzeit in der Ausbildung), einem angeschlossenen Camp für Familienangehörige
der Patienten und einer „Infusion Unit“, wo demnächst wieder eigene Infusionen
hergestellt werden sollen. Dies ist kostengünstiger und vermeidet den
schwierigen Transport in entlegene Gebiete. Die Apotheke war zwar groß, das
Lager ziemlich chaotisch, die Dokumentation dafür aber wieder ziemlich gen und
der zuständige Pharmacy Assistant auf jeden Fall ziemlich bemüht. Es gibt viel
Arbeit in den Outreach Kliniken und viele Unterschiede zwischen Kenia und
Tansania sowie auch zwischen kirchlichen und staatlichen Einrichtungen.
So ging die Woche mit vielen neuen Informationen und
Eindrücken wahnsinnig schnell um. Schon standen wir wieder auf dem Feld und
warteten auf unseren Flieger. Und nach einem Wochenende in Nairobi geht es am
Montag direkt weiter zum nächsten Outreach an Kenias Küste, um weitere Kliniken zu besichtigen.
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