Montag, 9. März 2015

Unterwegs im Masailand

Mein letzter Abend in Kenia steht schon wieder an. Obwohl ich wie immer das Gefühl habe, ich hätte gerne noch ein paar Tage mehr Zeit, bin ich doch zufrieden mit den letzten drei Wochen und insbesondere mit der letzten Woche. Für unsere nächsten Schulungen konzentrieren wir uns nun auf Kliniken und Gesundheitszentren in Kajiado county, eine Region, die zwar direkt an Nairobi angrenzt, allerdings sehr weitläufig ist und eine relative schlechte Infrastruktur hat. Das Gebiet ist geprägt durch die Masai, ein Nomadenvolk, das immer noch sehr an seinen Traditionen festhält. Männer in bunten Shukas sowie Frauen mit Unmengen an Perlenschmuck sieht man überall. Viehherden halten immer wieder den Verkehr auf. 

Um den Bedarf der einzelnen Einrichtungen zu erfassen, sind wir mit einem überarbeiteten Fragebogen und offenen Augen und Ohren losgezogen. Vorab stellten wir uns noch beim County Gesundheitsminister und County Pharmacist vor, um sie über unsere Idee zu informieren und von Anfang an in das Projekt mit einzubeziehen. Dies ist wichtig, denn ohne ihren Segen würden wir nicht weit kommen.
Nachdem dies gleich am Montagmorgen erledigt war, ging die Reise dann los: 15 Einrichtungen in 5 Tagen hatten wir uns vorgenommen. 13 sind es am Ende geworden. Extrem schlechte Straßen, Aufstände und weggespülte Straßen forderten uns immer wieder aufs Neue heraus. Unser Fahrer Peter machte seinen Job allerdings sehr gut und meisterte jedes Hindernis ohne mit der Wimper zu zucken. Hätte ich meine Fahrkünste unter Beweis stellen müssen, wären wir wahrscheinlich eine Woche länger unterwegs gewesen.
Unsere Eindrücke waren ganz unterschiedlich. Von vorbildlichen klimatisierten, geordneten Lagern bis hin zu einem unendlichen Chaos fand sich alles. Leider auch überarbeitete Krankenschwestern, die zugegebenermaßen kaum Zeit finden, sich um das Arzneimittellager zu kümmern. Dem soll aber bald Abhilfe geschaffen werden und für alle Kliniken und Health Center von der Regierung ein Pharm Tech eingestellt werden. Nichtsdestotrotz ist viel Unterstützung für die Apotheken nötig, um an unser Ziel eines guten Lagermanagement heranzukommen. Ein weiterer Schwachpunkt scheint die Grenze zu Tansania zu sein. Je grenznäher, desto unerklärlich schneller waren Arzneimittel verbraucht, trotz gleichbleibender Patientenzahlen... Fehlende Arzneimittel in den abgelegenen Zentren gibt es immer wieder. So nahmen wir einen Patienten aus Entasopia nach Magadi mit (auf Google Maps nachschlagen lohnt sich), weil es keine TB-Medikamente mehr im Gesundheitszentrum gab. Busse fahren nur einmal am Tag in jede Richtung, der Patient kommt bereits aus einiger Entfernung zu Fuß hergelaufen. Gut, dass wir ihn mitnehmen konnten. Allerdings ist dies bestimmt kein Einzelfall.

Es gibt also viel zu tun. Nach Besuch der verbleibenden zwei Einrichtungen und der Auswertung der Bedarfsanalyse planen wir dann gemeinsam mit dem county pharmacist das weitere Vorgehen. Welche Einrichtungen sollen in unser Training mit einbezogen werden? Wie können wir die Veränderungen am besten nachhalten? Wie können wir die Auswirkungen an möglichst viele weitere Einrichtungen weitergeben? Erste Ideen haben wir bei unserem Treffen bereits besprochen , Details müssen nun ausgearbeitet werden.
So sortiere ich meine Gedanken noch und packe dabei schon wieder meinen Koffer, ungläubig, dass ich nach heute 38°C am Lake Magadi tatsächlich wieder Schal und Jacke anziehen muss.

Unterwegs im Masailand

Mittwoch, 25. Februar 2015

Besuch bei den German Doctors


Nun ist schon wieder Halbzeit meiner Reise und auch wenn drei Wochen zunächst ausreichend erscheinen, so verrinnt die Zeit am Ende irgendwie doch immer zu schnell. Neben der Nachbereitung der letzten Woche und der Vorbereitung der nächsten Woche (in der wir Krankenhäuser in Kajiado county besuchen werden, die an der nächsten Schulung teilnehmen) habe ich im Zuge unserer neuen Kooperation mit den German Doctors die Gelegenheit genutzt und mir ihr Projekt im Mathare Valley Slum angeschaut, insbesondere natürlich die Apotheke.
Der Mathare Valley Slum ist nach Kibera der zweitgrößte Slum Nairobis. In der Ambulanz der German Doctors „Baraka“ (was auf Suaheli „Segen“ bedeutet) werden täglich 250 – 300 Patienten versorgt. Neben der allgemeinen Patienten gibt es auch eine Tuberkuloseeinheit, eine HIV-Klinik sowie ein „Feeding Programme“, in dem Unterernährte Patienten behandelt und zu einer (soweit es in diesem Umfeld geht) vollwertigen Ernährung geschult werden.
In der Apotheke arbeiten zwei Pharmacy Technologists, die sich um Bestellungen, Lagerung, Verteilung und Abgabe der Medikamente an die Patienten kümmern. Bei den hohen Patientenzahlen und dem Umschlag an Medikamenten sind sie damit gut ausgelastet. Eingekauft werden Medikamente und Hilfsmittel alle zwei bis drei Wochen vor allem bei MEDS, dem Lieferanten, bei dem wir auch für AMREF die Arzneimittel bestellen. Der präqualifizierte Lieferant nach WHO liefert hochwertige Arzneimittel zu immer noch erschwinglichen Preisen. Das Hauptlager ist übersichtlich gestaltet, sogar eine Klimaanlage vorhanden, die nur leider gerade nicht funktionierte. Aber der „fundi“ war (Handwerker) bereits angefragt. Die Abgabe an Patienten findet in einem anderen Raum statt, der sogenannten „main pharmacy“. Hier werden die Medikamente individuell für die Patienten zusammengestellt und mit den entsprechenden Einnahmehinweisen abgegeben. Für die Lagerhaltung existieren bereits Stock cards sowie auch Exceltabellen. Allerdings besteht auch hier der Wund nach einer geeigneten Lagermanagementsoftware, um die einzelnen Prozesse zusammenzuführen und einfacher auswerten zu können. Gemeinsam haben wir uns zu diesem Zweck auch die AoG Software angeschaut und überprüfen nun, wie die nötigen Änderungen umsetzbar sind. Außerdem sollen in der jeden Mittwoch für die Mitarbeiter stattfindenden „CME“ (continous medical education) demnächst dann auch pharmazeutische Themen mitgeschult werden. So habe ich in zwei Tagen einen guten Überblick über die Arbeit der German Doctors in Mathare bekommen.
In den nächsten zwei Tagen stehen nun noch die letzten Termine in Nairobi auf dem Plan, da wir die gesamte nächste Woche in Kajiado (ein an Nairobi angrenzendes county) unterwegs sein werden.

Besuch bei den German Doctors

Freitag, 20. Februar 2015

Follow-Up in Machakos und Makueni county

Drei Tage war ich nun unterwegs, um gemeinsam mit Julius den Krankenhäusern einen Besuch abzustatten, die im letzten Jahr von uns geschult worden sind. An der Schulung "Improving Pharmaceutical Management" hatten insgesamt 12 Teilnehmer aus 11 verschiedenen Krankenhäusern teilgenommen. Das erste Follow-Up hatte Julius bereits im August durchgeführt. Nun wollten wir uns ein Bild machen, was seitdem passiert ist. Eine wichtige Rolle spielen hierbei nun auch die Regierungen der einzelnen counties. Die Devolution (d.h. die Übertragung der Regerungsaufgaben vom nationalen Level auf die Regionen) ist nun seit etwa anderthalb Jahren im Gange. Jedes county hat eine eigene Regierung, ein eigenes Budget mit dem es walten und so nun seine eigenen Schwerpunkte setzen kann. Da wir im Projekt in Kenia vor allem mit staatlichen Krankenhäusern arbeiten, spielen die Veränderungen auch für unsere Arbeit mit den Apotheken eine wichtige Rolle.

Stationen auf unserer Reise (auf erwähnenswert verbesserten Straßen durch neue Investitionen) waren nun Kisau, Mbooni, Machakos, Makueni, Matiliku und Makindu. Ausgerüstet mit einem Fragebogen interviewten wir die Teilnehmer: Was hat sich geändert und verbessert? Was sind die Herausforderungen im Alltag? Wurden die Trainingsinhalte an das weitere Personal weitergegeben? Es stellte sich als schwierig heraus, alle Teilnehmer direkt anzutreffen. Einige wurden versetzt oder waren gerade im Urlaub oder in wichtigen Meetings. Nichtsdestotrotz unterhielten wir uns mit denjenigen, die wir antrafen sehr ausführlich, befragten Kollegen und schauten uns Apotheke und Lager an. So konnten wir viele wichtige Informationen sammeln. "Stock cards"waren in allen Apotheken vorhanden, die Vorräte waren üppiger als noch beim letzten Besuch (durch Organisation des county managements) und die Schulunsteilnehmer gaben das Wissen in den meisten Fallen in einem "Training on the Job" weiter.
Relativ ernüchternd war dann aber der Blick in die großen Vorratslager der Krankenhäuser (in denen neben Arznei- und Hilfsmitteln auch Bettwäsche, Kittel, Patientenbücher etc. gelagert wird). Hier herrschte meist großes Chaos (man kann es leider nicht anders sagen). Die "Store Keeper" sind leider kein pharmazeutisches Personal und haben auch selten eine Schulung im Lagermanagement bekommen. Leider hat auch der Apotheker hier wenig Mitspracherecht. Dies ist eine große Schwachstelle im Logistikprozess, die wir in der nächsten Schulung direkt ansprechen wollen. Nachdem nun endlich genügend Vorräte an Arzneimitteln an Lager sind wird die gute Organisation des Hauptlagers auch immer wichtiger, um nicht den Überblick zu verlieren.
Mit diesen und einigen weiteren Eindrücken sind wir heute zurückgekommen und werden nächste Woche die Ergebnisse auswerten, um die nächste Schulung bereits verbessern zu können.
Follow-Up in Machakos und Makueni

Dienstag, 17. Februar 2015

Karibu Nairobi

Nach knapp einem Jahr bin ich nun wieder zurück in Nairobi. Es wurde auch höchste Zeit. Trotz Mailkontakt und Skypegesprächen ist der persönliche Kontakt doch sehr wichtig. Die Eingewöhnung ging wieder sehr schnell und nach einer Runde durch meinen Block South C, dem Kauf einer neuen SIM-Karte und dem ersten Abendessen mit Ugali und Sukuma Wiki war ich angekommen.  
Die ersten beiden Tage im Büro waren ziemlich vollgepackt mit verschiedenen Meetings, um die letzten Monate noch einmal zu besprechen, aber vor allem auch die nächsten Monate zu planen. Was gab es für Herausforderungen im Lager von Amref in Nairobi? Wie hat sich die Software weiterentwickelt? Wann können wir unsere nächste Schulung stattfinden lassen?
Dies soll nun voraussichtlich im April sein, was bedeutet, dass bis dahin noch Einiges zu planen ist.
Weiterhin steht noch ein Follow-Up Besuch der Kliniken an, deren Mitarbeiter im letzten Jahr geschult worden sind. Was hat sich in den letzten Monaten für sie verändert? Wurden die weiteren Mitarbeiter der einzelnen Apotheken ebenfalls geschult? Wie lief die Anwendung der Software in den Kliniken, die diese nutzen wollten?
Bei den Besuchen bin ich auch gespannt zu sehen, was sich seit der Aufteilung des Landes und der Zuständigkeiten in die "counties" (den 47 Regionen mit eigener Verwaltung und Regierung) getan hat. Sechs Krankenhäuser in Machakos und Makueni county werden wir uns in den nächsten drei Tagen noch einmal anschauen und die Ergebnisse auswerten.
Dann ist auch schon wieder die erste Woche herum.

Dienstag, 11. März 2014

Wer hat an der Uhr gedreht?


Nun bin ich schon wieder in München und arbeite noch die letzten Tage in Nairobi auf. Dort konnte ich noch ein paar Dinge aufgreifen, die ich vor der Fahrt nach Tansania angestoßen hatte.
Die Planungen für die Schulung laufen weiter. Voraussichtlich Ende Mai wird die erste Schulung in Kenia stattfinden. Einige bürokratische Hürden müssen noch überwunden werden (Hotelangebote einholen, Trainer bei AMREF registrieren lassen), aber wir es ist ja noch etwas Zeit. Elf Krankenhäuser aus zwei Regionen in Kenia haben wir für den ersten Termin ausgewählt: einmal die Küstenregion und zum anderen die sogenannte „Lower Eastern Region“ zwischen Machakos und Makindu. Durchgeführt werden die Schulungen von Erick, unserem beratenden Apotheker für AMREF, sowie einem zusätzlichen Trainer. Gegen Ende des Jahres soll dann die erste Schulung in Tansania stattfinden.
Im AMREF Lager in Nairobi hat sich in den letzten Monaten viel getan. Neben der nun regelmäßig durchgeführten Verfallsdatenkontrolle werden auch Verbrauchsstatistiken durchgeführt. Diese haben wir genutzt, um die nächste Arznei- und Hilfsmittelbestellung zu erstellen, um die Outreachflüge der nächsten sechs Monate sicherzustellen. Wir werteten die Zahlen der letzten zehn Monate aus (die Zeit seit Einführung der Software), überprüften den aktuellen Bestand und glichen die anstehenden Outreachcircuits der nächsten Monate ab. Dies ging im Vergleich zu den in der Vergangenheit gemeinsam durchgeführten Bestellungen deutlich schneller, weil wir nicht mehr Zahlen aus verschiedenen Ordnern zusammensuchen und in den Taschenrechner eintippen mussten. Die erste Inventur ganz ohne die manuelle Dokumentation findet Ende März statt. Ein durchaus spannendes Ereignis.
Weiterhin hat Julius das Lager inzwischen gut entrümpelt: Spenden, die seit längerer Zeit gehortet wurden, werden nach und nach an Krankenhäuser verteilt. Arzneimittel wie Ibuprofen oder Diclofenac und auch Zubehör wie Spritzen und Nadeln, die jedes Krankenhaus (wenn auch noch so klein und entlegen) haben sollte, werden reduziert, um die Ressourcen auf die nicht vorhandenen und oft teuren Materialien zu verwenden. Das sind z.B. spezielle Nahtmaterialien, sterile Handschuhe, Endotrachealtuben oder Katheter. Denn diese sind essentiell, damit die entsandten Ärzte ihre Expertise während des Outreachbesuchs auch einsetzen können. Nichts wäre frustrierender, als Patienten aufgrund fehlender wichtiger Materialien nicht behandeln zu können. Um dies zu vermeiden arbeitet Julius auch an einer verbesserten Kommunikation zwischen Krankenhäusern, Ärzten und AMREF und dokumentiert die Anforderungen für die einzelnen Krankenhäuser und Spezialitäten, um diese für zukünftige Besuche auszuwerten.
Außerdem stand in der letzten Woche noch ein weiteres Treffen mit EPN an, die nun einen neuen Geschäftsführer haben, Mirfin Mpundu aus Sambia. Wir arrangierten diesmal ein Treffen bei AMREF gemeinsam mit Outreachmanager Dr. Asrat. In den anstehenden Schulungen bieten sich viele Kooperationsmöglichkeiten, da EPN hier auf einige Erfahrung zurückblicken kann und sehr gut vernetzt ist. Vor allem stehen bei uns allen der Patient und seine flächendeckende adäquate medizinische Versorgung im Mittelpunkt, weshalb wir unsere jeweiligen Stärken und Erfahrungen zusammenführen und für dieses Ziel einsetzen wollen.
Naja, und nach weiteren Treffen mit unserem Lieferanten MEDS und einem potentiellen zukünftigen Lieferanten missionpharma, ging es dann alles ganz schnell zum Schluss und fünf Wochen waren wirklich schon wieder um. Ich räumte mein kleines Büro bei AMREF, verabschiedete mich bei allen, packte meinen Koffer und machte mich am Freitagabend auf den Weg zum Flughafen. Als ich ankam, hieß es der Flug sei überbucht, es würde gerade noch nach Möglichkeiten für mich gesucht. Eine Dreiviertelstunde vor Abflug bekam ich dann doch noch meine Bordkarten (glücklicherweise oder leider?!). Und so hieß es dann tatsächlich „Kwa heri!“ (Auf Wiedersehen!)
Nairobi - die letzten Tage

Mittwoch, 5. März 2014

Etappen 3, 4 und 5: Ifakara - Hanga - Dar - Nairobi


Am Sonntag machte ich mich also früh morgens auf den Weg. Von Ifakara ging es nun erstmal zurück zur Hauptstraße nach Mikumi. Dort stieg ich am Busbahnhof in einen anderen Bus ein, der von Dar über Mikumi bis nach Songea fährt. Die etwa zweieinhalb Stunden, die ich noch auf den Bus warten musste, waren wie Kino. Man sitzt da, es gibt Knabbereien zu kaufen und Eis, um einen herum passierten tausend Dinge. Die Verkäufer, die wild losliefen, sobald sich ein Bus näherte, die Zubereitung diverser Speisen auf Grills und offenem Feuer, die Ticketverkäufer, die versuchten, möglichst viele Kunden zu gewinnen indem sie Reisetaschen schnappten und schnell zu ihrem Stand trugen, die anderen Reisenden mit verschiedensten Zielen… Und dann rollte auch schon mein Bus ein. Firma „Superfeo“ , was auf Spanisch witzigerweise „superhässlich“ heißt. Es war aber der beste Bus, den ich bisher hatte. So fuhren und fuhren wir (von Mikumi nach Songea sind es noch ungefähr 650km) und irgendwann wurde es mal dunkel (so gegen 19h) und dann stoppte schließlich auch noch der Bus und ich erfuhr, dass die Straße nicht mehr befahrbar ist und wir nun eventuell hier übernachten müssten. Ok… Nach einer guten Stunde ging es dann doch noch weiter und wir kamen tatsächlich gegen 23h noch in Songea an.

Dort wurde ich glücklicherweise von Bertha, die als Krankenschwester in Hanga arbeitet, noch abgeholt und wir fuhren mit dem Auto nach Hanga, was etwa eine Stunde dauert. Der Ort Hanga ist relativ klein, besteht aus der Benediktinerabtei, deren Gesundheitszentrum wir unterstützen, mehreren Schulen und den dazugehörigen Bananenplantagen und Farmen, sowie einigen Wohnhäusern. Bertha, die die Apotheke des Zentrums leitet, gab mir am ersten Tag eine kleine Dorfführung. Unter anderem wurde ich auch in einige Schulklassen geführt und es durften Fragen gestellt werden. Bei der Frage nach meinem Beruf, sorgte ich mit „Apotheker“ leider selbst bei den älteren Schülern nur für betretenes Schweigen. Eine „Person, die mit Medikamenten handelt“ brachte dann ein wenig Licht ins Dunkel. Der Beruf ist leider alles andere als popular.

Hanga besitzt seit letztem Jahr den Status als Gesundheitszentrum, was die zweite Versorgungsstufe im tansanischen Gesundheitssystem ist. Stufe 1 sind sogenannte Dispensaries, Stufe 3 Distriktkrankenhäuser, Stufe 4 regionale Krankenhäuser und Stufe 5 überregionale Krankenhäuser. Die Bettenanzahl steigt mit der jeweiligen Stufe an, ebenso die Anzahl an Fachpersonal und das Angebot an medizinischen Versorgungsmöglichkeiten.

Hanga hat zurzeit 22 Betten. Einen ausgebildeten Arzt gibt es im Moment noch nicht, nur einen Clinical Officer. Dieser hat eine dreijährige Ausbildung und übernimmt aufgrund des Fachkräftemangels besonders in ländlichen Gegenden die Aufgaben eines Arztes. Bestimmte Eingriffe und Untersuchungen können sie durchführen. Für kompliziertere Fälle werden Patienten dann an die nächsthöhere Stufe bzw. das nächste Krankenhaus mit entsprechendem Personal verwiesen. Dies kann allerdings bei den weiten Wegen, schlechten Straßen und fehlendem Personal auch zum Verhängnis werden.

Im nächsten Monat sollen in Hanga ein AMO, ein Assistant Medical Doctor (der nach der Ausbildung zum Clinical Officer noch zwei weitere Jahre absolviert) sowie ein Anästhesist ihre Arbeit aufnehmen.  Das Gesundheitszentrum hat nun einen Operationssaal und baut an einem neuen Gebäude, in dem eine eigene chirurgische Station entsteht. Patienten kommen aus Dörfern im Umkreis von etwa 50km nach Hanga. Die Aufwertung zum Gesundheitszentrum und damit mehr Behandlungsmöglichkeiten wird für viele eine Rettung sein, da ihnen der lange und eben beschwerliche Weg ins nächstgrößere Krankenhaus in Songea erspart bleibt. Im Moment, zu Beginn der Regenzeit, sind es vor allem Malariapatienten, die stationär aufgenommen werden. Viele Patienten kommen auch nur für Untersuchungen und gehen dann mit den ihnen verschriebenen Medikamenten wieder nach Hause. Für einige ist Hanga die einzige Möglichkeit an Medikamente zu kommen, da im Notfall auch ohne Bezahlung abgegeben wird und dies von der Benediktinerabtei getragen wird. Zudem wissen die Leute, dass sie hier ihre Medikamente bekommen und diese aus zuverlässiger Quelle stammen und nicht, wie vielleicht in den „Duka la Dawa“ (den Medikamentenshops) von ominösen Händlern.

Das Lager in Hanga ist klein und gut organisiert. Es gibt Bin cards für Arzneimittel und Zubehör, wo alle Warenbewegungen dokumentiert werden. Jeden Monat wird eine Inventur durchgeführt und das Ergebnis festgehalten. Alle drei Monate gibt Bertha eine Bestellung bei action medeor in Dar-es-salaam auf. Dies wird von AoG finanziell unterstützt. Die Bestellungen werden anhand der monatlichen Verbräuche erstellt, ebenso werden saisonale Schwankungen mitberücksichtigt. Bertha und ich gingen alle Prozesse einmal durch, vom Wareneingang, den Bewegungen zwischen den Lagern (auch hier gibt es aus Transparenzgründen ein Hauptlager und ein weiteres Lager in der Apotheke) bis hin zur Abgabe an den Patienten.  So konnte ich mir einen guten Überblick über die Arbeit verschaffen und gemeinsam mit Bertha an Verbesserungsmöglichkeiten arbeiten. Die drei Tage, die ich dort verbrachte gingen schnell um, aber wir haben viel geschafft. Die Erweiterung zum Gesundheitszentrum wird auch einige Neuerungen für die Apotheke mit sich bringen, woran wir in Zukunft besonders arbeiten werden.

So hieß es wieder einmal Abschied nehmen, dieses Mal von den Brüdern und Schwestern der Benediktinerabtei, die mich so freundlich aufgenommen und versorgt haben. Und wieder einmal stellte ich mich auf eine lange Reise ein: knapp 1000km sind es zurück nach Dar. Die Fahrt dauerte 17 Stunden (ich gehe nicht weiter auf die Einzelheiten ein). So war mein Rückflug nach Nairobi am nächsten Morgen eine reine Wohltat: eine Stunde Flugzeit und schon war ich da. Allerdings auch reichlich unspektakulär im Vergleich zur Busfahrt…
Hanga

Samstag, 1. März 2014

Etappe 1 und 2: Dar - Ifakara - Lugala


Nach anderthalb Tagen in Dar ging es dann am nächsten Morgen mit dem Bus weiter nach Ifakara. Auf meinem Ticket stand 7 Uhr Abfahrt. Bei der Umrechnung von Swahilizeit in „unsere“ Zeitangabe (hier wird ab Sonnenaufgang gerechnet, d.h. 6 Uhr morgens bei uns ist 0 Uhr Swahilizeit) war dem Ticketaussteller wohl ein Rechenfehler unterlaufen. So erschien ich eine gute halbe Stunde zu spät am Busbahnhof. Glücklicherweise gab es Verzögerungen und ich und mein Gepäck konnten den Bus dank eines flinken Gepäckträgers noch erreichen. Bei aller anzutreffenden Gemütlichkeit im sonstigen Alltag,  verstehen die Busfahrer und Begleitpersonal der Fernbusse keinen Spaß, verbreiten bei Ein- und Ausstieg sowie Pausen geradezu unglaubliche Hetze und werden ganz schön ungeduldig, wenn man etwas langsam ist.

So saß ich dann schließlich in einem Bus der schlechteren Sorte und musste mich selbst im Sitzen gut festhalten um bei Schlaglöchern und Bremshügeln nicht vom Sitz zu fliegen. Die Fahrt führt von Dar über Morogoro, ein Stück durch den Mikumi Nationalpark (wo Zebras, Giraffen und Antilopen vom Bus aus zu sehen sind) und dann von der Hauptstraße ab nach Ifakara. Es geht eine ganze Zeit lang über ungeteerte Straßen (was das Fahrttempo nur leicht beeinträchtigt) durch viele Dörfer und den „Busch“ bis man dann plötzlich wieder Teer unter den Reifen hat und in der Oase Ifakara: relativ belebt, mehrere Straßen, Geschäfte, Restaurants und Gästehäuser sowie auch einem Krankenhaus. Mein eigentliches Reiseziel war aber Lugala. Allerdings war das an diesem Tag nicht mehr zu erreichen, da die Straße zur Regenzeit, die nun langsam beginnt, schlecht befahrbar ist und die Fahrt dann zwischen vier und sechs Stunden dauern kann (oder auch noch länger, so Gott will…).

So wurde ich am Busbahnhof in Ifakara freundlicherweise von Sandra von PSF Schweiz empfangen, die in Lugala ein Projekt haben. Lugala ist auch eines der Krankenhäuser im AMREF Outreach, weshalb die Apotheke auch auf unserer Liste steht. Da keine Notwendigkeit zu zwei ähnlichen Projekten an gleicher Stelle besteht, hatte ich die Schweizer Gruppe kontaktiert und wurde eingeladen, mir die Arbeit dort anzuschauen. Lugala ist wohl das abgelegenste Krankenhaus, das ich bisher besucht habe. Die Fahrt von Ifakara führt mit einer Fähre über den Kilombero River und dann nochmal etwa 150km über ungeteerte Straßen und durch viele kleine Dörfer. Lugala selbst besteht eigentlich nur aus dem Krankenhaus und den dazugehörigen Häusern der Angestellten. Der nächste Ort Malinyi besteht aus drei Straßen, immerhin ein paar kleinen Geschäften (mit sehr limitierter Auswahl), einem Markt (mit ebenfalls limitierter Auswahl) und sogar zwei Bars ist 3km entfernt. Es erscheint einem wie ein kleiner Mikrokosmos dort.

Seit 2011 ist PSF Schweiz hier aktiv. Sie arbeiten ebenfalls an der Verbesserung des Lagermanagements, u.a. auch mit der Einführung einer Software. Diese ist nun seit einigen Monaten in Betrieb und wird von den Mitarbeitern gut angenommen. Sandra ist als freiwillige Apothekerin für mehrere Monate vor Ort und arbeitet in der Apotheke mit. Ich begleitete sie einen Tag bei der Arbeit, nahm am Morgenmeeting der Ärzte teil und besuchte die verschiedenen Abteilungen des Krankenhauses. Es wird gerade viel gebaut und renoviert. Unter anderem wird gerade eine „Infusion Unit“ eröffnet, wo Infusionen hergestellt werden, weil Einkauf und Transport sehr umständlich und teuer sind. Von ihren Erfahrungen zu hören und sich über unsere Projekte auszutauschen war sehr gut. Zufälligerweise fand gleichzeitig auch ein AMREF Outreach mit einer HNO Ärztin statt, mit der ich mich bei der Gelegenheit auch über unser Projekt unterhalten konnte.

Nach zwei sehr aufschlussreichen und informativen Tagen machte ich mich dann wieder auf. Mein nächstes Ziel war unser Projekt in Hanga, Songea im Süden Tansanias. Songea ist gar nicht so weit weg von Malinyi, allerdings gibt es noch keine Straße über die Berge (sie befindet sich in Bau). So ging es denn wieder zurück nach Ifakara, wo ich wieder eine Nacht verbrachte und mich dann am nächsten Morgen um 11.30h Swahilizeit (also leider 5.30h unserer Zeit) wieder in den Bus setzte und den langen Weg nach Songea anging…
Dar - Ifakara - Lugala